Merabi Danelia

Bilder

Aufgrund von Covid-19 sind wir gezwungen die vorgesehene Eröffnung am 17. April zu verschieben. Den genauen Termin werden wir bekannt geben, sobald sich die Lage entschärft hat.

Ausstellung in der Galerie Paternoster / Kiebitzhof 6, Haus G, 2. Etage

Foto Tobias Hoops
Unsere nächste Ausstellung präsentiert Bilder eines jungen Malers, Merabi Danelia, noch Student an der HFBK,
in der Klasse von Anselm Reyle. Er wurde in Kutaisi in Georgien geboren und ist dort in den wilden nachkommunistischen
Zeiten groß geworden. In Tiflis studierte er Malerei an der Staatlichen Akademie der Künste und kam 2016 nach Hamburg,
um an der HFBK sein Malereistudium zu vervollständigen.

Seit etwas mehr als einem Jahr hat Danelia eine Serie von Bildern hergestellt, die durch ihre Reife und Geschlossenheit fast
überraschen bei einem so jungen Maler. Wir freuen uns den Künstler am Anfang seiner Karriere mit einer Auswahl dieser
großformatigen Werke das erstemal in einer Einzelausstellung zeigen zu können.

Mächtige, tiefschwarze Querformate treten uns gegenüber, mit unscharfen Rändern, die reliefartige, kohlefarbene Bildmaterie
drängt nach außen, über den Rand, quillt aus dem Bild, kraterartige Löcher tun sich auf. Wir dürfen fabulieren, dass es
Restprodukte von Naturereignissen sind. Stücke aus Lawafeldern, von Meteoriten zerschundener Mondboden oder
vorderasiatischer Steppenboden nach einem großen Feuer. Dokumente von Naturgewalten, uns Betrachtern freigestellte
Assoziationsmöglichkeiten.

Aber zunächst ist Danelia ein Maler, bei dem der Malvorgang im Zentrum steht. Er gehört zu den Künstlern, bei denen
Material, Machart und Ergebnis nicht voneinander zu trennen sind. Er überlegt sich kein Sujet, hat kein vordergründiges
Anliegen, er gehört der alten Tradition an, für die die Logik des Zusammenhangs von Form, Material und Farbe im Vorder-
grund stehen und das Ergebnis nicht von vorneherein bekannt ist. Er gehört zu den Künstlern, die sich von ihrem Bild das
enststehen möchte, führen lassen.
Sein Material sind Kunststoffe, Gips, Metall und Holz. Sein Arbeitsgerät der Bunsenbrenner und die Heißluftpistole. Dann das
verbindende Schwarz und bei einigen Bildern ein sparsam eingesetztes, zum Schwarz tendierendes Rot.
Sehr reduzierte Mittel, einfache Materialien, aus denen am Ende ein komplexes, nuancenreiches und fast kostbares Gebilde
entsteht. Aus der Distanz betrachtet, tief schwarz, mineralisch und schwer, entwickeln sie aus der Nähe subtile, kaum
sichtbare Farbeffekte durch das sich an der Lackschicht und der Reliefstruktur punktförmig brechende Licht. Die Formen
beginnen dann zu fließen, geben ihre dynamische Struktur preis, werden organisch. Und werden plötzlich leicht. Als Betrach-
ter erinnert man sich dann, dass es Kulturen gibt, die mit Schwarz keine Trauer, keine Düsternis und Schwere assoziieren,
sondern Lebendigkeit und Lebensfreude. Und so wirkt auch der Schöpfer dieser Werke, wenn man mit ihm spricht.
Danelia bringt zwei getrennte Welten zusammen, das Anorganische, Tote und das Organische, Lebendige, oder einfacher,
Tod und Leben, die elementarste Basis unserer Existenz. Das macht die archaische Dimension ihrer Wirkung auf den
Betrachter aus.

Kunsthistorisch gesehen, reiht sich Danelia in die informellen, gestischen Richtungen ein, die das Spontane, Fließende, das
Zusammenhängende der Formen suchen. Und dieses Zusammenfließen der Formen, das Verschmelzen, wird bei Danelia
wörtlich genommen und wird bis in die Arbeits„technik“ umgesetzt. Er bringt ganz real seinen Kunststoff zum Fließen, indem
er ihn mit der Heißluftpistole auf 600 Grad erhitzt, dessen Aggregatzustand verändert und die entstandene zähflüssige Materie
bearbeitet. Er verschmilzt ganz real die Formen, die ihm das vorgefundene Material anbietet. Vielleicht ein moderner Mystiker
oder Alchemist, wenn es solche noch geben kann.

Aber vor allem wollen diese sehr sinnlichen Bilder nicht besprochen und interpretiert sondern angeschaut werden, und man
darf gespannt sein, was dieser Künstler in den nächsten Jahrzehnten seines Schaffens noch alles an Bildfindungen zu Tage
befördern wird.
(Mondot)